Wie funktioniert Erholung?

Entspannte Frau im Pool
Verbessern Sie Ihre Erholungskompetenz

Wäre ich doch nur erholter, dann wäre alles so viel einfacher. Bald beginnt der Urlaub, da werde ich mich so richtig entspannen. Wirklich? Trotz dieses guten Vorsatzes gelingt es vielen von uns nicht, im Urlaub richtig abzuschalten und Kraft zu tanken. Meist stehen wir uns dabei selbst im Weg. Hier kommt Ihr 5-Punkte-Plan für einen erholsamen Urlaub!

Guter Stress?

Stress ist unser Feind. So zumindest ist die Haltung einer großen Mehrheit, und darauf zielen auch viele Angebote zur Stressreduktion ab. Stress macht krank, dick und depressiv. Aber ist das wirklich so? Nüchtern betrachtet ist die Stressreaktion ein überlebenswichtiger Mechanismus unseres Körpers: Wenn Gefahr droht, fährt unser System hoch und sorgt dafür, dass wir leistungsfähiger und fokussierter werden. Auf diese Weise gelingt es uns, Herausforderungen zu meistern. Gar nicht schlecht, oder? Studien haben übrigens gezeigt, dass ein moderater Stresslevel sogar gesundheitsfördernd ist - offensichtlich aktiviert die Belastung körpereigene Schutzmechanismen. Und das ist noch nicht alles: Eine großangelegte Untersuchung in den USA ergab, dass das Sterbe-Risiko von gestressten Menschen zwar erhöht war - aber nur, wenn die untersuchten Menschen der Meinung waren, dass Stress gesundheitsgefährdend sei. Denjenigen Untersuchungsteilnehmern, die Stress nicht für gefährlich hielten ging es trotz hohem Stress gut oder sogar besser als Menschen mit geringerem oder keinem Stress. In der Psychologie spricht man von einer "selbsterfüllenden Prophezeiung": Das, was man erwartet bekommt man auch - und trägt durch diese Erwartung wesentlich dazu bei. Das Gute ist, dass dieser Mechanismus in beide Richtungen funktioniert. Wenn wir also in der nächsten Situation, in der wir Stress empfinden nicht in eine Abwehrhaltung gehen, sondern diese Reaktion als bewundernswerte Anpassungsleistung unseres Körpers würdigen, dann ist das für uns (und vielleicht auch für unsere Umgebung) die gesündere Variante.

Zusammen ist man weniger allein

In stressigen Zeiten haben viele Menschen das Bedürfnis, zusammenzurücken, sich in die Herde zurückzuziehen. Das ist hormonell betrachtet verständlich, denn während Stress für die Ausschüttung von Kortisol sorgt, welches wiederum den Körper in den Kampf- oder Fluchtmodus versetzt, schütten wir in Bindungssituationen Oxytocin aus, auch als "Kuschelhormon" bezeichnet. Oxytocin ist der Gegenspieler von Kortisol, hemmt also dessen Ausschüttung. Diesen Mechanismus machen wir uns meist instinktiv zunutze, indem wir zum Beispiel mit unserem Partner reden, eine Freundin anrufen, die Familie besuchen oder unser Haustier streicheln. Alles, was Bindung verspricht ist gut für uns - und dafür können wir selbst eine Menge tun. Anstatt sich also in schwierigen Zeiten in der Wohnung einzuigeln, sollten wir aktiv Gemeinschaft suchen und uns eine Extraprortion Oxytocin gönnen!

Erholung auf Knopfdruck?

Wir leben in einer Gesellschaft der High Performer: Anerkannt wird, wer Überstundenberge vor sich herschiebt und immer in Bereitschaft ist. Auch im Urlaub oder der Freizeit rennen viele der Leistung hinterher: Einen Halbmarathon laufen, Berge besteigen, oder wenigstens im Städteurlaub alle Museen besuchen und jede weitere Sehenswürdigkeit mitnehmen. Das Ganze wird natürlich dokumentiert und als "Beweis" über die unterschiedlichen sozialen Netzwerke veröffentlicht. Macht das noch Spaß? Falls ja, ist alles gut. Falls aber hier klammheimlich ein neuer Druck aufgebaut wird, Finger weg! Echte Erholung braucht Selbstwertschätzung: Ja, das habe ich gut gemacht! Klopfen Sie sich ruhig einmal selbst auf die Schulter, Sie haben es verdient. Mit dieser Einstellung müssen Sie dann in Ihrer Freizeit keinen Achttausender mehr erklimmen - es sein denn, Sie wollen es wirklich.

Die Peak-End-Rule

Der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahnemann fand durch verschiedene Experimente heraus, dass wir unsere Erinnerungen fast vollständig danach beurteilen, wie sie auf ihrem Höhepunkt (= engl. „peak“, egal ob gut oder schlecht) und an ihrem Ende waren. Alles andere scheint für die Beurteilung nicht wichtig zu sein. Wenn Sie also einen harmonischen Urlaub mit einem herrlichen Städteausflug hatten, aber kurz vor der Abreise einen handfesten Streit, verringert sich die positive Bilanz in der Erinnerung und wird im Rückblick eher negativ bewertet. Interessant dabei ist, dass eine geringfügige Verbesserung am Ende die gesamte Erinnerung positiver aussehen lässt, während eine Verschlechterung zu einer Pauschalierung ins Negative führt. Diese Regel können wir nutzen: Einerseits sollten wir versuchen, positive Höhepunkte im Urlaub zu schaffen: Ausflüge, schönes Essen, faule Tage am Strand - einer dieser Höhepunkte wird unsere Erinnerung stark beeinflussen. Noch viel wichtiger aber ist das Ende. Sorgen Sie dafür, dass das Ende des Urlaubs positiv ist. Das kann beispielsweise bedeuten, dass Sie die Zusatzkosten für die Endreinigung des Ferienhauses in Kauf nehmen, damit nicht ihre letzte Urlaubsaktion ein Putztag ist. Oder dass Sie die Rückfahrt vom Flughafen nicht mit dem Bus, sondern mit dem Taxi antreten. Denn wie schade wäre es, wenn die Erholung am letzten Urlaubstag schon wieder Geschichte wäre!

Erholung verlängern

Wenn Sie die Peak-End-Rule beherzigt haben und erholt und guter Stimmung aus Ihrem Urlaub zurückkehren, wie lange hält diese Erholung an? Erfahrungsgemäß sind Aufnahmefähigkeit, Gesundheit und Laune spätestens nach vier, meist aber bereits nach zwei Wochen wieder auf dem Ausgangslevel. Allerdings gibt es ein paar Tricks, wie wir den Erholungseffekt verlängern oder reaktivieren können: Versuchen Sie, vor Ihrem Urlaub den Stress bereits zu reduzieren. Und zwar vorausschauend auch für die ersten Tage danach. Das bedeutet eine sorgfältige Übergabe laufender Projekte und möglichst noch keine festen Termine für die ersten Tage nach Ihrem Urlaub. So sorgen Sie dafür, dass Sie auch in Ruhe wieder ankommen können. Nehmen Sie sich etwas mit, was Sie an eine besonders schöne Situation im Urlaub erinnert: Einen Stein, ein schönes Olivenöl, einen Sonnenhut - egal, Hauptsache, es versetzt Sie durch Aussehen, Geschmack oder Geruch wieder in den Urlaub. Auch der Klassiker Urlaubsfotos hilft dabei, sich die schöne Zeit auch Wochen oder Monate später wieder ins Gedächtnis zu rufen.

 

Diese Tipps funktionieren dann, wenn Sie im Urlaub tatsächlich abschalten können. Falls das nicht geht, weil das Gedankenkarussell im Kopf einfach nicht anhalten will, können Sie bei Powerhouse Coaching entsprechende Übungen und Strategien trainieren. 

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